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Fallbeispiel – Schimmelpilzbildung

Ansicht des geschädigten Objekts
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Der Bauherr (Kunde, Mieter) stellt in einer Raumecke Schimmelpilzbefall fest. Erste Versuche über Aufstellen eines Trockners und Behandlung der Flächen mit „Schimmel-Ex“ brachten keine Besserung.
Gleiches gilt für die vom Vermieter vorgebrachte Aussage nach mehr Lüftung. Es wird daher ein neutraler Bausachverständiger beauftragt, um eine Ursachenermittlung mit Vorschlägen zur Schadensbehebung durchzuführen.

1. Zielvorgabe

Die Zielvorgabe lautete: Ermitteln Sie die Ursache für den Schimmelpilzbefall im Schlafzimmer und machen Sie einen Vorschlag zur Schadensbehebung.

2. Objektbeschreibung

Laubablagerungen an der Außenwand
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Ermittlung der vereinbarten Vertragsleistung wurden nach einem ersten Vorgespräch am Objekt eine Hausbeschreibung, der Wärmeschutznachweis und der Architektenvertrag übergeben. In diesem konkreten Fall handelte es sich um einen modernisierten Altbau.
Der Schaden ist erst seit ca. 6 Monaten auffällig.

3. Beweisaufnahme

Die Beweisaufnahme am Objekt ergab folgende Ergebnisse::

  • Starke Durchnässung der Wand von Oberkante Fußboden beginnend
  • Kontinuierlich abnehmende Feuchte in Richtung „Trocken“ ab 1,50m
  • Feuchte durchgängig auf der gesamten Wandbreite
  • Schimmelpilzbefall im Ansatz nur in einer Raumecke
  • Die befallene Wand ist eine nach „Westen“ hin orientierte Außenwand
  • Die befallene Wand ist mit einer gestrichenen Raufasertapete versehen

4. Überprüfung der Planungsunterlagen

Innenraum mit durchfeuchteter Wand
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Nach Überprüfung der Planungsunterlagen ergab sich folgendes.

  • Im Rahmen der Sanierung wurde diese Wand nur mit einem Dämmputz versehen. Alle weiteren Wände haben ein Wärmedämmverbundsystem erhalten. Der Grund: Überbauung zum Nachbargrundstück.
  • Durch diese Abweichung entstehen geometrische Wärmebrücken
  • Die Außenwand erfüllt mit einem U-Wert von ca. 0,6 W(m²K) nicht den Mindestwärmeschutz nach EnEV von U=0,45 W/(m²K)
    Seit 2009 0,24 W/(m²K)

5. Messwerte

Nässeschäden, Detail
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Folgende Klimadaten wurden ermittelt:

  • Raumlufttemperatur 19,8°C
  • Raumluftfeuchte 53,4%
  • Wandoberfläche 17,4°C
  • Außenlufttemperatur 7,5°C
  • Außenluftfeuchte 72%

6. Bewertung der Ergebnisse

Anbau vom Nachbarn ohne Entwässerung
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Die Art der Schäden lässt nicht (nur) auf eine unzureichende Belüftung der Räume schließen. Zwar liegen die gemessenen Raumluftwerte im oberen Bereich, kritisch wird dies jedoch erst bei angenommenen Raumtemperaturen von 20°C und über 65%r.F. Die gemessenen Bauteiloberflächentemperaturen um 17 °C hätte dann die Feuchtewerte um 80% erreicht.
Eine erhöhte Feuchteproduktion ist ebenfalls nicht gegeben (Pflanzen, Aquarium usw.).
Auch der verminderte Wärmeschutz oder das etwaige Zustellen mit Möbeln kam nicht infrage. In der kritischen Raumecke befindet sich ein auf der Wand aufgesetzter Heizkörper (keine Nische) zur kontinuierlichen Trocknung.
Blieb die Frage zur Boden- und Wandabdichtung.

Die Wandfläche ist nach Westen hin orientiert. Sie liegt damit in der Hauptwetterrichtung. Direkt am Fußpunkt schließt vom Nachbarn eine gepflasterte Fläche an, die mit abgelagertem Kompost belegt ist. Dieser ragt bis zu 0,50m hoch.
Die Fläche hat ein Gefälle zur geschädigten Wand und besitzt zusätzlich eine Aufkantung, die als Wanne wirkt.
Ferner ist an dieser Wand ein weiteres Gebäude angeschlossen. Von diesem gelangt Regenwasser zusätzlich auf die Pflasterfläche und belastet ebenfalls die Außenwand.

7. Vorschlag zur Schadensbehebung

Nachbargrundstück mit angehäuftem Laub/Kompost zur geschädigten Wand
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Das Oberflächenwasser vom Nachbargrundstück muss von der belasteten Außenwand dauerhaft weggeleitet werden. Erst danach kann wirksam an eine Sanierung der von Schimmelpilzen und durchnässten Wand herangegangen werden.
Als kurzfristige Maßnahme wird empfohlen bis zu einer Höhe von 1,50m die vorhandenen Raufasertapeten zu entfernen und in geschlossenen Säcken zu entsorgen. Weiterhin sollte der Raum mehrfach am Tag gelüftet werden und auch bei Nichtnutzung geheizt werden. Die Oberfläche ist zu desinfizieren (70% Ethylalkohol). Arbeitsschutz beachten, Beachtung der Brand- und Explosionsgefahr (nicht Rauchen). Zu empfehlen ist ferner die Nutzung von Schutzhandschuhen.

Neuanstriche, Tapeten usw. erst nach Beseitigung der Außenbelastung und Durchtrocknung (z.B. über Entfeuchter) der Wand auftragen. Anstriche möglichst ohne organische Bestandteile verwenden.

8. Kosten

Die Kosten sind vom Verursacher (Nachbarn) zu tragen.

Allgemein:
Zur Ursachenermittlung und Berechnung von Schimmelpilzbefall bieten wir detaillierte Untersuchungen an. Dabei werden auch umfangreiche Messgeräte z.B. Datenlogger zur Langzeitüberwachung von Luftfeuchte, Temperatur und Taupunkt eingesetzt.




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